Polaroid: Blass, aber mit Charme

admin am 30. Juni 2010

Neues Medium verdrängt altes ? diese von Technikgläubigen so oft propagierte These traf auf die gute, gar nicht so alte Polaroid-Kamera in zweifacher Hinsicht zu. Die Sofortbildkamera sorgte dafür, das Apparate, dessen Bilder in der Dunkelkammer entstanden, höchst antiquiert wirkten. Dann wurde sie aber selber von der digitalen Konkurrenz verdrängt. Viele der Bilder, die wie von Zauberhand auf dem Fotopapier erschienen, sind heute darum umso wertvoller.

Das die Technik einfach nicht mehr in die Zeit passte, ist für Nostalgiker natürlich kein Argument. Das so charakteristische Wedeln der Fotografien und die sich langsam auf dem Papier abzeichnenden Konturen sind für sie ein wertvolles Ritual, genauso wie die speziellen Farben der Abzüge, die für Anhänger eine besondere Schönheit bergen.

Ein quengelndes Kind war der Anfang

Vor etwas mehr als sechzig Jahren wurde das Patent der Kamera erfunden, weil ein kleines Mädchen nicht genügend Geduld aufbringen wollte. Die Tochter des Physikers Edwin Land konnte während eines Urlaubs mit der Familie einfach nicht erwarten, das Erlebte auf Fotopapier gebannt zu sehen. Den Wunsch konnte der Vater seinem quengelnden Kind im Jahr 1944 zwar nicht erfüllen. Der Gedanke an eine Kamera, die das tat, ließ ihn aber fortan nicht mehr los. Und so tüftelte der Erfinder, der sieben Jahre zuvor Polaroid als Firma der optischen Industrie gegründet hatte, in den folgenden Jahren hartnäckig an dem Projekt. Und war schließlich erfolgreich: 1948 ging die erste Sofortbildkamera für 89,75 Dollar erstmals über die Ladentheke.

Heute schaut man sich die Bilder einfach auf dem Display seiner Digitalkamera an. Will man sie ganz klassisch in einem Fotobuch haben, lädt man die Fotos einfach hoch und klickt bei einem Internetanbieter auf Fotos entwickeln. Nur wenige Tage später liegen sie dann im Briefkasten. Und genauso wie die komfortable Technik die Polaroid verdrängt hat, war es damals die Erfindung von Land, die der konventionellen Analog-Kamera Schwierigkeiten bereitete. Jeder, der etwas auf sich hielt, legte sich die zusammenklappbare Kamera im Taschenbuchformat zu. In den 70er Jahren hatte das Unternehmen so schon rund sechs Millionen der Apparate verkauft. Und das, obwohl sie deutliche Schwächen aufwies: So waren die Bilder häufig farblich von mangelhafter Qualität und ließen Detailtreue fehlen. Zudem ließen sie sich nicht vervielfältigen.

Eigenartig und wertvoll

Und besonders das macht sie heute so wertvoll. Das erfreute vor kurzem besonders das Auktionshaus Sotheby’s, wo eine Polaroid-Sammlung des Fotooptik-Unternehmens versteigert wurde. Etliche Bilder davon hatte der Gründer Land selbst zusammen getragen. Weil er während der Hochphase seines Unternehmens eng mit vielen Künstlern zusammen gearbeitet hatte, schaffte er es, die Fotografiegeschichte der siebziger und achtziger Jahre in seiner Sammlung zu bündeln.

Entsprechend begehrt waren bei der Versteigerung die Bilder. 89 Prozent des Bestandes wurden verkauft, insgesamt addierten sich die Einnahmen auf 12,5 Millionen Dollar. Fast alle Fotos, die mit prominenten Namen verbunden waren, übertragen die Schätzpreise um ein Vielfaches. Für Fotografien von vierzehn Künstlern wurden Höchstpreise erzielt ? darunter so illustre Namen wie Warhol, Rauschenberg, Hockney, Lucas Samara und Harry Callahan. Den höchsten Preis erzielten Bilder von Ansel Adams, nämlich je zwischen 430.000 und 600.000 Dollar.

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